Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung: In der Landwirtschaft 4.0 sind smarte Lösungen gefragt. Egal, ob es dabei um Flugsysteme zur Überwachung des Ertrags oder um die automatisierte Steuerung von Betriebsabläufen und Ernte geht. Der Einsatz von Robotern, autonomen Systemen und künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft wächst enorm. Für Agrarbetriebe leisten die Systeme einen zunehmend wichtiger werdenden Beitrag zu mehr Effizienz, mehr Nachhaltigkeit und weniger Personaleinsatz.
Er ist 2,50 Meter lang, 1,30 hoch, wiegt rund 800 Kilogramm und sein Spezialgebiet ist die Beikrautregulierung. „Dino“ ist ein autonomer Agrarroboter des französischen Herstellers Naio Technologies. Mit einer Geschwindigkeit von vier Stundenkilometern bewegt er sich elektrisch angetrieben durch eine Lithium Batterie über eine Fläche von bis zu fünf Hektar pro Tag. Drei Jahre lang war der autonome Helfer auf dem Experimentierfeld Agro-Nordwest vor Osnabrück erfolgreich im Einsatz bei der Beikrautregulierung von Mais. Inzwischen hat Dino bereits einen Nachfolger. Orio, ebenfalls von Naio Technologies entwickelt, ist noch präziser durch ein Lenksystem, das auf Basis von RTK-GPS-Signalen arbeitet.
Agrotech Valley – das Silicon Valley für Landwirtschaft
Das Agro-Nordwest ist eines von 14 digitalen Experimentierfeldern, das von der Forschungseinrichtung Agrotech Valley Forum betrieben wird. Es will mit seinen Testfeldern im Raum Osnabrück digitale Tools im Pflanzenbau und Tierhaltung testen und zentrale Fragestellungen nachhaltiger Landwirtschaft angehen.
Osnabrück gilt längst als eine Größe bei der Digitalisierung der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Robert Everwand, Geschäftsführer Agrotech Valley Forum e. V., beschreibt die Vorteile des Standorts: „Das Agrotech Valley liegt mitten im Osnabrücker Land, eines der am intensivsten bewirtschafteten Agrarregionen Deutschlands. Hier ist in hoher Dichte das komplette Wertschöpfungsnetzwerk der Primärproduktion über die Agrartechnik bis hin zur Ernährungswirtschaft einschließlich führender Forschungseinrichtungen beheimatet. Mit dieser Struktur ist der Wirtschaftsraum zwischen Oldenburg und Münster, das sogenannte „Agrotech-Valley“, einmalig in ganz Europa.“ Große Unternehmen, wie beispielsweise CLAAS, Kröger – Nutzfahrzeuge, AMAZONEN-WERKE H. Dreyer, Maschinenfabrik Bernard Krone oder auch GRIMME Landmaschinenfabrik haben hier ihren Firmensitz und sitzen im Vorstand des Valleys.
Roboter, Sensortechnik und Drohnen im Einsatz für die Landwirtschaft
Dino, Orio & Co. stehen für eine ganze Generation von Co-Robotics in der Landwirtschaft. Sein „Bruder“, der Oz-Roboter, hat sich darauf spezialisiert, per GPS und mit Kamera-gestütztem System Unkraut in Gemüse- und Obstplantagen zu entfernen. Das Unternehmen Zauberzeug aus Havixbeck hat mit dem „Feldfreund“ einen mehrfach prämierten KI-gesteuerten Agrarroboter mit bodenschonendem Raupenlaufwerk entwickelt, der als Geräteträger fungiert beispielsweise bei der Unkrautregulierung hilft. Der Rubion-Roboter von Octinion wurde speziell für die Erdbeerernte entwickelt. Er erkennt reife Beeren und pflückt sie mit einem schonenden Greifmechanismus, um Beschädigungen der Früchte zu vermeiden. Eine Technologie, die durch Automatisierung die Obsternte revolutionieren kann.
Neben dem Einsatz von Robotern und autonomen Landmaschinen sind auch Sensorentechnik und Drohnen für das smarte Farming elementar. Sie unterstützen dabei, frühzeitig Schädlinge, Krankheiten oder Nährstoffmängel zu erkennen und gezielt zu bekämpfen, um Ertragsverluste zu vermeiden. Dünger und Pflanzenschutz können so exakt dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden.
Drohnentechnologie für die Landwirtschaft wird auch im Agrotech Valley getestet. Etwa mit dem Projekt FlyingData der Hochschule Osnabrück, die autonome Drohnen in Gewächshausanlagen eingesetzte, um sensorischen Informationen beispielsweise über Temperatur, Licht und Luftfeuchte zu sammeln. Die entsprechenden UAV Sensor-Systeme liefert hierfür zum Beispiel das österreichische Unternehmen RIEGL, das 2024 den VUX-100-25 seinem Portfolio hinzufügte. Das Sensor-System mit hoch effektiver Messrate von 1,33 Mio. Messungen/Sekunde, einer Messreichweite von bis zu 360 Meter und einem breitem Sichtfeld von 160 Grad sorgt für eine präzise sensorische Überwachung aus der Luft. Mit Projekten wie FlyingData oder mit den Experimentierfeldern des Valleys wird zukünftig das Thema Smart Farming immer mehr in den Fokus gelebter landwirtschaftliche Praxis gelangen.
„Das Internet der Dinge (IoT), KI, Drohnen, Big Data und entsprechende Forschung sind heute wichtige Voraussetzungen für eine präzise Landwirtschaft. Die verstärkte Integration von Sensoren, wie sie beispielsweise von unserem Aussteller RIEGL präsentiert werden, und automatisierter Systeme erfordert Wissen, Tools & Technik, die wir auch auf der XPONENTIAL Europe zeigen“, sagt Malte Seifert, Director Metals & Autonomous Technologies der Messe Düsseldorf. Er ist verantwortlich für die XPONENTIAL Europe, die vom 18. bis 20. Februar 2025 ihre Premiere in Düsseldorf feiert.
Auf der XPONENTIAL Europe werden führende internationale Unternehmen und Start-ups zu autonomen Technologien, Robotik und Sensorik ausstellen. Besucherinnen und Besucher der Messe können sich u.a. über neueste Innovationen, Komponenten und Sensoren im Bereich autonomer Systeme und Robotertechnologien informieren.
Weitere Informationen unter www.xponential-europe.de
Auf unserem LinkedIn-Kanal teilen wir spannende Updates und Insights zu autonomen Technologien in Europa:
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(Fachautorin: Simone Seidensticker)